Am Donnerstag, den 3. September 2026, um 19:00 Uhr, findet im Haus des Deutschen Ostens in München ein Vortrag mit dem Titel „Die Erntedankfeste in Saybusch (Żywiec). Politische Instrumentalisierung eines Brauchs im besetzten Polen des Zweiten Weltkriegs“ statt. Referent ist Dr. Dr. h. c. Hans-Werner Retterath aus Freiburg. Diese Veranstaltung wird in Kooperation mit der Sudetendeutschen Heimatpflege durchgeführt.
Die Erntedankfeste, die traditionell im ländlichen Jahreslauf gefeiert werden, erlebten im „Dritten Reich“ eine starke politische Instrumentalisierung, insbesondere im Kontext des NS-Bauernkults. Nach dem deutschen Überfall auf Polen wurden ab 1940 deutschstämmige, überwiegend bäuerliche Menschen aus der Bukowina, Ostgalizien und Wolhynien in den annektierten Teil Südpolens umgesiedelt. In Saybusch (Żywiec) fand 1942 das Erntedankfest des Gaus Oberschlesien statt, das von den NS-Behörden inszeniert wurde.
Die Feierlichkeiten umfassten einen großen Umzug, an dem nicht nur bäuerliche Betriebe, sondern auch Abordnungen verschiedener NSDAP-Gliederungen teilnahmen. Diese Inszenierung hatte das Ziel, die Umsiedler ideologisch zu integrieren und der verbliebenen polnischen Bevölkerung zu demonstrieren, dass ihr Gebiet dem Deutschen Reich zugeordnet war. Die Veranstaltung stellt somit ein Beispiel für die politische Instrumentalisierung von Traditionen in einem besetzten Land dar.
Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei, jedoch wird um rechtzeitige Platzreservierung per E-Mail gebeten, da die Teilnehmerzahl begrenzt ist.